Vita Lola Montez

1821
-
1842
Elizabeth Rosanna Gilbert (Lola Montez) wird am
17. Februar 1821 in dem irischen Dorf Orange bei Sligo geboren. Ihre Eltern sind der englische Offizier Edward Gilbert und die von irischem Landadel abstammende Eliza Oliver. 1823 wird Edward Gilbert mit seiner jungen Familie nach Kalkutta ins britische Kolonialreich versetzt. Er stirbt 1823 in Dinapore an der Cholera. Elizabeth wächst in Indien, England und Schottland auf. Sie heiratet 1837 den Offizier Thomas James. 1839 geht das Paar nach Indien. Die Ehe wird geschieden. Elizabeth Gilbert kehrt zurück nach England.
 
1846
-
1848
Der Aufenthalt in München gerät zum Höhepunkt ihrer
Biographie. Ludwig I. König von Bayern ernennt Lola Montez
zur Gräfin von Landsfeld. Sie wird zum katalytischen Auslöser der 48er-Revolution in München.
 
1848
-
1851
Nach der Flucht aus Bayern lebt Lola Montez im Schweizer Exil. 1849 kehrt sie nach England zurück. Sie hinterläßt ihre 1851 veröffentlichten „Memoiren" gewissermaßen als europäisches Testament und wandert nach Amerika aus.
 
1851 -
1861
Im Februar 1851 erreicht Lola Montez New York. Am Broadway zeigt sie die Theaterrevue „Lola Montez in Bavaria". Sie bereist die Westküste, erfindet den „Spider Dance" und zieht sich in die kalifornische Goldgräberstadt Grass Valley zurück. Es folgen zwei weitere Ehen. 1855 geht Lola Montez auf Tournee nach Australien. In den Vereinigten Staaten schreibt sie Schönheitsratgeber und engagiert sich für „gefallene Mädchen". Lola Montez stirbt am 17. Jahuar 1861, kurz vor ihrem 40. Geburtstag in New York. Sie liegt auf dem Greenwood-Friedhof in Brookly begraben.

 

Literatur um Lola Montez:

Isabel Allende: Hija da la Fortuna (dt.: Fortunas Tochter)

Drei Tage nachdem der Gouverneur einen Preis auf den Kopf Joaquín Murietas ausgesetzt hatte, ankerte im Hafen von San Francisco der Dampfer mit zweihundertfünfundsiebzig Sack Post und Lola Montez am Board. Sie war die berühmteste Kurtisane Europas, aber weder Tao Chi´en noch Eliza hatten je ihren Namen gehört. Sie waren zufällig am Kai, weil sie eine Kiste mit chinesischen Arzneien abholen wollten, die ein Matrose aus Shanghai mitgebracht hatte. Sie glaubten zuerst, der Grund für den Karnevalstrubel seien die Postsäcke, niemals zuvor war eine so reichhaltige Ladung gekommen, aber das festliche Feuerwerk lehrte sie eines besseren. In dieser Stadt, die an jede Art Wunder gewöhnt war, hatte sich eine hauptsächlich aus Männern bestehende Menschenmenge versammelt, um die unvergleichliche Lola Montez zu sehen, die, vom Trommelwirbel ihres Ruhms angekündigt, über den Isthmus von Panama angereist war. Sie entstieg dem Landungsboot auf den Armen von zwei glücklichen Matrosen, die sie mit ehrfürchtigen Verbeugungen, wie sie einer Königin würdig gewesen wären, behutsam auf festem Land absetzten. Und königlich war auch die Haltung der berühmten Tänzerin, mit der sie die Hochrufe ihrer Verehrer entgegennahm. Das Spektakel verwunderte Eliza und Tao Chi´en, die nichts über Herkunft und Ruf der Schönen wussten, aber die Zuschauer klärten sich rasch auf. Die Montez war Irin, von plebejischer wie unehelicher Geburt, die sich für eine vornehme Ballerina und spanische Schauspielerin ausgab. Sie tanzte wie ein Dorftrampel und von einer Schauspielerin besaß sie nichts außer einer maßlosen Eitelkeit, aber ihr Name beschwor ausschweifende Bilder großer Verführerinnen herauf von Dalila bis Kleopatra und deshalb waren wildbegeisterte Massen herbeigeeilt, um ihr zuzujubeln. Sie kamen nicht ihrer zweifelhaften künstlerischen Begabung wegen, sondern um dieses Inbild verblüffender Boshaftigkeit, legendärer Schönheit und stürmischen Talents von nahem zu erleben. Ohne weitere Talente außer Unverschämtheit und Verwegenheit füllte sie Theater, verschwendete Unsummen, sammelte Schmuck und Liebhaber, erlitt epische Wutanfälle, hatte der Prüderie den Krieg erklärte und war aus verschiedenen Städten ausgewiesen worden. Aber ihre größte Tat war es gewesen, einem König das Herz zu brechen. Ludwig I. von Bayern war ein braver Mann, sechzig Jahre alt knauserig und vernünftig, bis sie ihn in die Quere kam und ihn ein paar Mal um sich selbst drehte und zu ihrem Hampelmann machte, Der Monarch verlor Verstand, Gesundheit und Ehre, während sie die königlichen Schatzkammern plünderte. Der Verliebte König gab ihr alles, was sie wollte, einschließlich des Titels der Gräfin, aber er konnte nicht erreichen, dass seine Untertanen sich mit ihr abfanden. Ihre miserablen Manieren und verrückten Launen erregten den Hass der Münchner, die schließlich in Massen auf die Straße gingen, um die Abschiebung der Geliebten es Königs zu verlangen. Statt stillschweigend zu verschwinden, trat sie der Menge mit einer Reitpeitsche entgegen und wäre sicherlich in Stücke gerissen worden, hätten nicht ihre getreuen Diener sie mit Gewalt in eine Kutsche gesetzt und über die Grenze gebracht. Verzweifelt dankte der König ab und machte sich bereit, ihr ins Exil zu folgen, aber ohne Krone, Macht und Bankkonto war der Kavalier nicht mehr viel wert und die Schöne ließ ihn einfach sitzen. „Das heißt, der üble Ruf ist ihr einziges Verdienst“, stellte Tao Chi´en fest. Eine Gruppe irischer Bewunderer spannte die Pferde vor Lolas Kutsche aus und zog sie durch Straßen, die mit Blumen gepflastert waren, zu ihrem Hotel. Eliza und Tao Chi´en sahen sie in glorreichem Zug vorüberfahren. „Das einzige, was in diesem Land der Irren noch fehlte“, seufzte Tao Chi´en auf kantonesisch, ohne der Schönen mehr als einen Blick zu gönnen. Eliza folgte dem Karneval ein paar Straßen weit, halb belustigt, halb bewundernd, während ringsum Pistolen und Raketen um die Wette knallten. Lola Montez hielt den Hut in der Hand, ihr schwarzes Haar war in der Mitte gescheitelt und über den Ohren zu Locken frisiert, ihre leuchtenden Augen waren nachtblau, sie trug einen Rock aus Bischofssamt, eine Bluse mit Spitzen an Kragen und Manschetten und ein mit Glasperlen besticktes Torerojäckchen. Ihre Haltung war ebenso spöttisch wie herausfordernd.

 

 



 


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